Coronakrise trifft das Jugendwohnheim Landshut härter als gedacht

Veröffentlicht am 28.07.2020 in Bildung

Ruth Müller, MdL will finanzielle Sicherheit für die Einrichtungen

Die letzten Monate waren für die meisten Unternehmen ein auf und ab. Ein Bangen in die Zukunft hinein. Ohne Gewissheit und ohne jegliche Planungschance. Da passiert es schnell, dass unter den gewaltigen Rettungsschirmen, die von den Landesregierungen und der Bundesregierung gespannt wurden, nicht jeder sitzt. So geht es auch den Einrichtungen des katholischen Jugendsozialwerks, das in der Ritter-von-Schoch-Straße ein vielfältiges Angebot vom Jugendwohnen bis zur Ausbildungsbegleitung anbietet. Im Rahmen ihrer Sommergespräche besuchte die Landshuter Landtagsabgeordnete das Jugendwohnheim, um zu erfahren, wie sich die Corona-Krise auf diesen Bereich ausgewirkt hat.

Die Situation ist nicht nur angespannt, sondern auch sehr herausfordernd für die Verantwortlichen. „Wir können die entstandenen Verluste nicht ausgleichen“, verdeutlichte Ludwig Weber, Gesamtleiter des katholischen Jungendsozialwerks in Landshut.

„Letztes Jahr hatten wir von März bis Juni 2485 Blockschulübernachtungen, diese sind in der Zeit des Lockdowns auf 761 Übernachtungen gesunken, wobei hier mehr als die Hälfte noch Anfang März zu verbuchen sind“, erzählte Weber der Landtagsabgeordneten Ruth Müller. Die Rechnung ist ganz einfach: Geschlossene Schulen, kein Blockunterricht für die Berufsschüler, keine Übernachtungen der Berufsschüler und damit keine Einnahmen trotz laufender Betriebs- und Personalkosten. Hinzu komme eine besondere Finanzierungsstruktur, die sich aus Leistungen des Landes Bayern, der Kommunen und dem Eigenanteil der Jugendlichen zusammensetze, so Michael Kroll, Geschäftsführer der katholischen Jugendsozialarbeit Bayern.

Das katholische Jungendsozialwerk ist ein eingetragener Verein. Es können und dürfen selbst für solch besondere Zeiten keine Rückstellungen gebildet werden. Das Jugendwohnheim  Landshut wird an 365 Tagen betrieben. Neben Blockschülern wohnen dort auch Auszubildende für die Dauer ihrer Berufsausbildung. Sie werden in der hauseigenen Küche verpflegt und rund um die Uhr sozialpädagogisch begleitet. Zur Sicherstellung der Schichtdienste konnten die Mitarbeiter nicht in Kurzarbeit geschickt werden.

„Die 175 Beschäftigten des katholischen Jugendsozialwerks Landshut haben während der Coronakrise großartige Arbeit geleistet und die sozialen Strukturen auch für benachteiligte Jugendliche aufrechterhalten. Die vielfältige Arbeit des katholischen Jugendsozialwerks Landshut ist nicht wegzudenken“, so Müller. Denn hier findet Jugendsozialarbeit an den Schulen statt, in Landshut und Deggendorf werden Jugendwohnheime betrieben oder Berufseinstiegsbegleitung angeboten. Für die Stadt Landshut mit dem Berufsschulzentrum ist das Jugendwohnheim ebenfalls ein wichtiger Partner, denn ohne passendes Wohnangebot könnten bestimmte Ausbildungsrichtungen nicht mehr angeboten werden. „Die Unterbringung in einer Pension ist keine Alternative, denn gerade minderjährige Berufsschüler brauchen Aufsicht, Anleitung und pädagogische Betreuung, wenn sie die ganze Woche weg vom Elternhaus sind“, so Ludwig Weber. Nur so könne der Ausbildungserfolg auch garantiert werden.

Micheal Kroll wies darauf hin, dass dieses Problem kein Einzelfall sei, sondern bayernweit zu Verwerfungen führen würde. Denn die Konsequenzen aus dem Wegfall solcher Jugendwohnheime würden in allen Regionen zu strukturellen Veränderungen in der Berufsschullandschaft und damit im Ausbildungsangebot führen.

Eine Lösung wäre die Zahlung eines Defizitausgleichs durch den Freistaat Bayern, um das Jugendwohnheim  wieder in ein sicheres Fahrwasser zu bringen.

Die Landtagsabgeordnete Ruth Müller sicherte nach dem Gespräch zu, sich sowohl auf kommunaler als auch auf Landes- und Bundesebene für eine verlässliche Finanzierungszusage und einen Rettungsschirm einzusetzen. „Außerdem muss rechtzeitig geklärt werden, wie es mit dem Blockunterricht an den Berufsschulen im neuen Schuljahr weitergeht“, kündigt Müller eine Initiative beim Kultusministerium an.

 

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