Lakritz, Gabionen und unsichtbare Mauern

Veröffentlicht am 30.11.2019 in Allgemein

Schulprojektabend am Maristen-Gymnasium zum 30-jährigen Mauerfall-Jubiläum

 

Landkreis. „Mauern überwinden und Brücken schlagen“ – das war das Motto des Schulprojektabends am Further Maristen-Gymnasium zum 30-jährigen Mauerfall-Jubiläum. Auch nach drei Jahrzehnten sind die politischen Auswirkungen der Teilung noch immer zu spüren, erläuterte Prof. Dr. Ursula Münch, Leiterin der Akademie für politische Bildung Tutzing, in ihrem Festvortrag. Doch auch im Alltag hat man es tagtäglich mit – oft unsichtbaren – Mauern zu tun. Diese zu überwinden, war die Grundbotschaft des Abends.

Von Ramona Rangott Mauern bestehen nicht immer aus Stahlbeton und Stacheldraht. Das ist nicht erst klar, seitdem die US-amerikanischen Demokraten eine „smart wall“ fordern – eine unsichtbare Mauer, die die Grenze zwischen den USA und Mexiko mittels Drohnen und Röntgenstrahlen sichern soll. Zwar weniger martialisch verpackt, hat die „smart wall“ denselben Effekt wie Trumps Mauer: Menschen werden getrennt. Obwohl die amerikanischen Mauer-Pläne hierzulande in den Medien oft kritisch betrachtet werden, zeigten zahlreiche Momente des Schulprojektabends am Maristen-Gymnasium zum Thema „30 Jahre Mauerfall“: Auch in Deutschland sind noch längst nicht alle Mauern des Misstrauens überwunden. Kunst kann Mauern überwinden Das Konzept „Mauer“ wurde deshalb in verschiedener Weise von Schülern kreativ umgesetzt und verbildlicht: In der Aula des Gymnasiums, wo eine Ausstellung zur Ost-West-Geschichte stattfand, trennte eine mit viel Fleiß von der Klasse 9a gestaltete Mauer den Raum in zwei Teile. Beim Festakt in der Turnhalle musizierten indes Chor und Orchester hinter einer Wand aus weißen Kartons, die sie vom Publikum abschnitt. „Zur Kunst gehört immer auch ein politisches Statement“, äußerte Kunstlehrer Dr. Wolfgang Groh. Und dass Kunst die Macht besitzt, Mauern zu überwinden, wurde deutlich, wenn Udo Lindenbergs „Hinter dem Horizont“ oder „Über sieben Brücken musst du geh‘n“ von Karat durch die Kartonwand in die Turnhalle drang. Oder wenn die Ausstellungs-Besucher, angeregt durch die Bemalung der Mauer, neugierig auf die andere Seite spähten. Mit dem Dialog zwischen Herrn Wessi (Tassilo Klingelhöfer) und Herrn Ossi (Dr. Niko Firnkees) folgte der schauspielerische Brückenschlag. Dabei wurden Klischees, Vorurteile und Missverständnisse offen, humorvoll, bisweilen auch provokant angesprochen – und somit ausgeräumt. Der Zuschauer erfuhr so beispielsweise, dass „Bärendreck“ in den neuen Bundeländern keinesfalls etwas zum Essen ist, sondern eine Dichtungsmasse bezeichnet. Und auch dass Gabionen-Zäune für Herrn Ossi als typisch westdeutsche Stil-Verirrung gelten: „Typisch Wessi: Viel Kohle, aber wenig Geschmack“. Neben dem offenen Spiel mit den Klischees, das die Dinge ansprechbar machte und so Nähe zwischen den Protagonisten herstellte, gab es – auf einer Leinwand per Video eingeblendet – immer wieder auch Rückblicke auf die deutsch-deutsche Vergangenheit sowie die Frage von West nach Ost: „Wie hast Du das damals eigentlich erlebt?“ Freiheit bedeutet Verantwortung In einen historischen und gesamteuropäischen Kontext ordnete Prof. Dr. Ursula Münch, Direktorin der Akademie für Politische Bildung in Tutzing, den Mauerfall ein. Dabei betonte sie, „dass es ein Privileg ist, in einem friedlich vereinten Europa zu leben“ und dass man diesen Umstand den „todesmutigen Bürgern“ verdanke, die vor 30 Jahren für Freiheit und Demokratie gekämpft haben. Dass mit diesem Erfolg große Aufgaben einhergehen, betonte die Politikwissenschaftlerin besonders in Hinblick auf die in Teilen der Bevölkerung wachsende EU-Skepsis und der sich verschärfenden Interessenskonflikte zwischen den EU-Ländern. Münch plädierte dafür, mit Kritik an der EU differenziert umzugehen und Aspekte ernster zu nehmen, um in konstruktive Dialoge treten zu können.

 

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