„Mit 10 Quadratmetern pro Besucher könnte ich leben!“

Veröffentlicht am 09.06.2020 in Allgemein

MdL Ruth Müller besucht mit Straubinger SPD-Fraktion Tiergarten

 

Rund 20 Jahre ist es her, dass die Bayerische Landtagsabgeordnete Ruth Müller (SPD) den Straubinger Tiergarten besucht hat. Damals noch mit ihrem inzwischen erwachsenen Sohn. Erstaunt war sie, was sich alles zum Positiven verändert hat. Als Mitglied im Umweltausschuss des Landtages ist sie auch für den Tierschutz in Bayern zuständig. Zeit, dem einzigen Zoo in ihrem Wahlbezirk einen Besuch abzustatten.

Tiergartendirektor Wolfgang Peter ist ein Macher. Das sieht man schon, wenn man sich dem Tiergarten nähert. An Flatterbändern entlang finden die Besucher zielsicher den Eingang. Auch hier Maskenpflicht, Händedesinfektion, Abstandsregel. Und gerade bei Letzterer merkt man, dass es im Tiergartendirektor brodelt. Die Abstandsregeln vom Einzelhandel auf einen Freilufttiergarten 1 : 1 zu übernehmen findet Peter nicht gerade sinnvoll. Die SPD-Fraktion bekommt eine Rechenstunde vom König der Löwen: „26.000 Quadratmeter Lauf- und Aufenthaltsfläche geteilt durch 20 ist gleich 1.300.

Das ist die Zahl, um die es ihm geht. 1.300 Besucher dürfen gleichzeitig den Tiergarten besuchen. Das bedeutet, dass gezählt werden muss. Am Wochenende drei Security-Leute an Ein- und Ausgang bedeutet nochmal ca. 1.000 Euro extra. Und das bei sowieso schon enormen Fixkosten von 11.000 Euro täglich. Peter überschlägt den Verlust während der Corona-Schließung: 400.000 Euro. Ruth Müller gibt zu, dass nicht alle Regelungen und Verordnungen im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie glücklich und passgenau waren. Da sei Vieles übertragen einfach worden, was der Fülle der Entscheidungen geschuldet gewesen sei. Man müsse nachbessern, wo es offensichtlich nicht passt, so die Landtagsabgeordnete.  

Der Tiergartendirektor will die Regierung mit ihren eigenen Waffen schlagen: „Die Sicherheit beginnt bei 1,5 Meter Abstand. Wenn wir jetzt 10 statt 20 Quadratmetern pro Person veranlagen könnten, wäre ich glücklich. Das wären dann maximal 2.600 Besucher. Damit könnte ich leben.“ Aber das kann die Kommunalpolitik eben nicht alleine entscheiden. Da muss der Weg über das Rathaus in den Landtag führen. Bürgermeister Werner Schäfer hat sich schon ein dickes Kreuz in den Kalender für Gespräche gemacht und auch Ruth Müller will im Maximilianeum zu dieser Problematik nachlegen nachlegen.

Peter hat schnell auf die zwischenzeitlich wieder aufgehobene Schließung reagiert. Die Pächter des Kiosks hatten leider schon eingekauft. Einiges davon konnten sie einfrieren, Vieles aber nicht. Verhaltensweisen mussten her, innerbetriebliche Anordnungen, wie z. B. ein Pandemieplan, der auch die Schließung des Aufenthaltsraums beinhaltete. Hierbei sei er vorbildlich von der Stadt, auch bei der Umsetzung, unterstützt worden.

„Ein Tiergarten ist im weitesten Sinne auch ein Pflegebetrieb. Wir sind immer da. Auch an Sonn- und Feiertagen. Auch in Corona-Zeiten, wenn geschlossen ist“, weiß Peter. Ob es Beschwerden gegeben habe, weil die Tierhäuser gesperrt seien, will Müller wissen. „Überhaupt nicht. Die Leute sind sehr verständnisvoll. Niemand will sich schließlich mit Corona anstecken. Dafür muss man auch kleine Opfer bringen.“

Beeindruckt auch von den vielfältigen Aufgaben, wie z. B. Zuchtprogrammen zum Artenschutz, Betrieb der Zooschule, des Jungsteinzeithauses, Ausstellungen, Lesungen und Konzerte, die ein Zoo noch nebenbei erfüllt, dankte Ruth Müller dem Tiergartendirektor und seinem fast 40-köpfigen Team für den unermüdlichen Einsatz zum Wohle von Tier und Natur auch in diesen schwierigen Zeiten. Peter sprach auch gleich eine Einladung zur Eröffnung der erweiterten Löwenanlage aus, verwies aber darauf, dass hier erst Vorplanungen stattfünden: „Der tatsächliche Termin steht natürlich noch nicht fest!“

 

Trafen sich in gebührendem Abstand an der Afrika-Anlage zum Erfahrungsaustausch: von rechts SPD-Fraktionsvorsitzender Peter Euler, Tiergartendirektor Wolfgang Peter, MdL Ruth Müller, die Stadträte Peter Stranninger und Gertrud Gruber, Bürgermeister Werner Schäfer und Stadtrat Bernd Vogel.   

 

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