„Der Weg zur Deutschen Einheit“

Veröffentlicht am 15.11.2019 in Allgemein

Ausstellung der Bundesstiftung und des Auswärtigen Amts an der Realschule

Oberroning. Der Fall der Mauer am 9. November 1988, das wichtigste Ereignis der deutschen Geschichte nach dem Zweiten Weltkrieg, jährt sich zum 30. Mal. Die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur und das Auswärtige Amt haben eine Ausstellung herausgegeben, die den Weg zur Deutschen Einheit bis zur Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990 nachzeichnet. Die Lehrerinnen Annemarie Benedikt und Christiane Rössler haben die Ausstellung in der Realschule Oberroning aufgebaut. Von Marianne Schmid Schulleiterin Anna Maria Müller eröffnete die Ausstellung mit den Worten des damaligen Außenministers Hans Dietrich Genscher. „Wir sind gekommen, um Ihnen mitzuteilen, dass heute Ihre Ausreise möglich ist.“ Sie ging auf die Zeit vor der Wende ein, wo man Schikanen bei Fahrten durch die DDR oder bei den Grenzkontrollen ausgesetzt war. Sie berichtete von Fluchtversuchen mit Ballon, durch Verstecke in Hohlräumen von Fahrzeugen, die letztendlich vielen Menschen das Leben kosteten. Filmsequenzen über friedlichen Protest Anschließend wurde in Filmsequenzen der Verlauf des friedlichen Protestes von August 1989 bis zum Jubel bei der deutschen Wiedervereinigung gezeigt. Diese bewegenden Bilder, ergreifenden Reden und Eindrücke weckten unterschiedlichste Erinnerungen.

Die Zehntklässler waren sehr betroffen und konnten die Freude und die Bedeutung des lang ersehnten Momentes der Wiedervereinigung gut nachempfinden. Bei den Bildern des Mauerfalls bekomme sie noch immer Gänsehaut, gestand SPD-Landtagsabgeordnete Ruth Müller. Sie berichtete den Zuhörern von der Teilung in Besatzungszonen, vom Beginn des Mauerbaus 1961 und vom „Eisernen Vorhang“. Die Menschen der DDR konnten nur mit Ausnahmegenehmigungen zu Familienfesten in den Westen reisen. Einziges Privileg war Ungarn, wo ein „erstes Loch“ in die Mauer geschlagen wurde. Hier knüpfte Müller an ein persönliches Erlebnis im Sommer 1989 an, das sie als 22-jährige Studentin hatte. Dies sei für sie der Beginn ihrer politischen Laufbahn gewesen: Im Sommer 1989 radelte sie zu dritt von Passau nach Wien und weiter nach Budapest und bis nach Debrecen an der rumänischen Grenze. „Am 19. August saßen wir auf dem Rückweg im Zug von Budapest nach Wien und waren auch kurz vor dem Verzweifeln – denn der Zug fuhr mit erheblicher Verspätung los, unterwegs hielt der Zug mehrmals auf freier Strecke an, Soldaten marschierten durch den Zug, die Kalaschnikow im Anschlag und kontrollierten die Pässe, die Visa und befragten alle Mitreisenden“. Anstatt über Wien wurde der Zug über Salzburg umgeleitet. „Während wir im Zug saßen, fand an der österreichisch-ungarischen Grenze das Paneuropäische Picknick statt – eine Friedensdemonstration“. Die Grenze zwischen den beiden Ländern wurde symbolisch für drei Stunden geöffnet und diese Grenzöffnung nutzten rund 700 DDR-Bürger für ihre Flucht in den Westen. „Insofern sind wir an der Geschichte vorbeigefahren, ohne zu wissen, welche Ereignisse folgten.“ Ausstellung ist eine Woche lang zu sehen gewesen Trotz der freudigen Ereignisse hätte es auch negative Gefühle gegeben. Der rasche Wandel erzeugte bei den ehemaligen DDR-Bürgern auch ein Verlustempfinden. Sie mussten auf viel Gewohntes verzichten. Die Wiedervereinigung traf auch die Bundesbürger, da 1991 eine eingeführte Steuer – der Solidaritätszuschlag – den Wiederaufbau des Ostens finanzieren sollte. Die Gäste wurden mit ostdeutschen Spezialitäten verköstigt. Ergänzt wurde die Bilderausstellung durch typische Objekte der DDR wie Spielsachen, eine Weihnachtspyramide und geklöppelte Deckchen. Die Ausstellung war eine Woche lang an der Realschule aufgebaut, damit alle Schüler Lehrer die Möglichkeit hatten, sich über dieses einschneidende Ereignis der deutschen Geschichte zu informieren. Die Ausstellungstexte sowie über 150 Fotos und Faksimiles beschreiben, wie die friedliche Revolution in der DDR die Frage der Deutschen Einheit unverhofft auf die Tagesordnung der deutschen und internationalen Politik setzte. Die Schau widmet sich dabei gleichermaßen der innerdeutschen Entwicklung wie den diplomatischen Verhandlungen, die den Weg zur Wiedervereinigung im Einvernehmen mit den europäischen Nachbarn sowie den USA ermöglichte.

 

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